Sonntag, 20. April 2008

Sport in der Provinz

Gretas Leukozyten haben sich dann doch überraschend schnell erholt, Dienstag werden Stammzellen abgesammelt. Die Kleine ist wieder gewohnt munter, allerdings auch biestig und voller Gewaltphantasien („werf dir brennende Kugeln an den Kopf“). So sehr sich alle über das Wiedersehen mit Annalena gefreut haben (die vier Eltern haben einen fröhlichen Abend in der Feuerbachstraße verbracht), Greta ließ sich nicht vereinnahmen und verhielt sich heute ziemlich unkollegial. Dafür sind ihre Wutanfälle klar zurückgegangen. Sie entwickelt sich tatsächlich altersgemäß, auch sprachlich.
Mich hat sie an diesem Wochenende erstaunlich gut angenommen. Der gestern geäußerte Wunsch: „will mit dir einschlafen“ hat Seltenheitswert. Konkret wurde es aufgrund ausgedehnten Nachmittagsschlafes der bisher längste Abend in der Klinik. Na gut, die letzte halbe Stunde am Bett gehörte der Verlängerung des Pokalfinales, und Greta schlief schon. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
Während Steffi die Pferdchen bewegt hat, waren die Großen heute mit Ute im Zoo und wären fast schon um vier ins Bett gegangen. Darüber hinaus haben wir jetzt nicht nur eine Perle, sondern auch eine Super-Nana. Ellen ist von den Großen prima aufgenommen worden. Nun sollte das Greta-Team erst einmal stark genug sein.
Stella hat ein passables Diktat geschrieben und schon wieder diese „Kopfnoten“ erhalten. Betragen Zwo minus. Ich bin ehrlich froh, dass es nicht besser ist. Die Große hat derweil ihre eigene Gehschule entdeckt. Marlenes Papa nahm sie zum Joggen mit, und angeblich hat sie eine halbe Stunde durchgehalten. Sie ist begeistert und möchte das weitertreiben. Ich staune und werde das natürlich gerne aufnehmen. Vielleicht will sie dereinst am Leipziger Stadtmarathon teilnehmen, der heute stattfand. Im letzten Jahr sind 524 LäuferInnen ins Ziel gekommen, die schnellste Frau war sechs Minuten langsamer als ich vor fünfzehn Jahren in Berlin. Dagegen kann der Braunschweig-Marathon glatt mit New York konkurrieren. Dass man dafür überhaupt das Verkehrschaos in Kauf nimmt.
Wer freilich glaubt, dass Leipzig Sport-Provinz sei, der irrt. In der DDR wurden konsequent Schwerpunkte gesetzt. Wer hier etwas auf sich hält, schickt sein Kind heute noch zum Turmspringen, zum Schwimmen oder zum Frauen-Handball.

2 Kommentare:

hibou hat gesagt…

Hallo ihr Lieben, schön zu hören, dass ihr alle eine kleine Verschnaufpause einlegen konntet, es klingt jedoch ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm. Gestern war Sonjas erste Frage gleich nach dem Aufstehen: Warum hat Greta Krebs und ich nicht ? Eure Realität setzt sich in unseren Köpfen fest, auch wenn es so vieles daran gibt, was wir als Außenstehende kaum verstehen. Z.B. was jetzt welche Untersuchungsergebnisse genau für euch bedeuten, welche Hoffnungen sich daran knüpfen, welche weiteren Schritte das alles nach sich zieht. Es scheint sich eine so ganze eigene Welt um euer geliebtes Kind zu ranken. Alles ein bischen wie bei Dornröschen, wo das ganze Schloß bald von Ranken umgeben ist. Wo die laute Welt draußen mit ihren Gesetzen manchmal ganz entfernt scheint, genau so wie eure Klinikwelt für uns. Heute war ich hier in Frankreich kurz mit Marlene im Krankenhaus, weil ihre Augen entzündet waren, wirklich eine Kleinigkeit. Sonja hat es mir jedoch total übel genommen, dass sie nicht mitdurfte, wo doch alles was sich ums Krankenhaus rangt gerade so spannend ist. Ich finde das total verrückt ! Auf jeden Fall wünsche ich euch grüne Wiesen zum Draufrumhüpfen anstatt Klinikräume!

Alles Liebe von Traute und ihren Töchtern, die alles genau wissen wollen was mit Greta passiert

Unknown hat gesagt…

Naja, wenigstens Frauen-Handball ist doch ganz groß im Kommen. Zumindest beim Club halten sich nicht wenige Fans daran schadlos, daß wenigstens die Clubfrauen in dieser Disziplin ab und an Erfolge einfahren.

Schön, daß ihr noch ne zusätzliche Untrstützung gefunden habt. Das werdet ihr in nächster Zeit, wenn OP und Chemo anstehen sicher doppelt gut gebrauchen können. Ich drück ganz fest die Dauemn, daß die UNtersuchungserbegnisse gute News bringen. Ich werd auch mal wieder eine Kerze anzünden in der Kirche vor meiner Nase. Ist schon komisch, daß einem in solchen Situationen die alten Rituale aus Kinderzeiten als KIrche noch unhinterfragbar war plötzlich wieder in Erinnerung bringen.

Liebe Grüße

Doris